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15. Oktober 2018
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- 5.06.18

MS-Patienten eine normale Familienplanung ermöglichen

Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) sollten in regelmäßigen Abständen auch auf ihre Familienplanung angesprochen werden: „Das Thema der Familienplanung ist in das neurologische Gespräch ganz selbstverständlich mit aufzunehmen“, erklärte dazu Dr. Birte Elias-Hamp aus Hamburg bei einer Pressekonferenz von Sanofi Genzyme in Berlin. Dabei sollte man versuchen, den Frauen Ängste vor einer Schwangerschaft zu nehmen, sie umfassend über die Faktenlage und darüber, was sie in puncto MS und Schwangerschaft wissen sollten, aufzuklären. Der Neurologe sollte den Patientinnen die Sicherheit geben, dass er sie während der Schwangerschaft und auch darüber hinaus begleiten wird. „Sie leben Ihr Leben, wir kümmern uns um die MS – diese Botschaft sollten wir Neurologen den Frauen vermitteln“, sagte Elias-Hamp in Berlin.

Teriflunomid – beschleunigtes Eliminationsverfahren bei aktuellem Kinderwunsch:
Äußert eine Frau im Gespräch einen aktuellen Kinderwunsch, so hat das nach Elias-Hamp Konsequenzen für die Therapieplanung. So sollte generell bis in wenigen Ausnahmen keine immunmodulierende Behandlung während einer Schwangerschaft eingeleitet werden. Der Einsatz von Kortison als Schubtherapie in der Schwangerschaft sollte abgewogen werden.

Als einzigen Wirkstoff, der bei einem aktuellen Kinderwunsch aktiv und nachweisbar eliminiert werden kann, stellte die Neurologin Teriflunomid (Aubagio®) vor. Zwar ist der Wirkstoff in der Schwangerschaft kontraindiziert, er kann jedoch in einem beschleunigten Eliminationsverfahren durch die Einnahme von Colestyramin oder Aktivkohle nachweisbar eliminiert werden, so dass ein zeitnaher Kinderwunsch trotz vorheriger Therapie realisierbar ist. Die Elimination ist laut Elias-Hamp einfach durchführbar und innerhalb von meist nur 11 Tagen in der Praxis zu realisieren und durch Plasmabestimmungen zu überprüfen.

Wird eine Frau unter Teriflunomid schwanger, so ist ebenfalls das beschleunigte Eliminationsverfahren einzuleiten. In kontrollierten klinischen Studien wurden inzwischen 83 Schwangerschaften unter Teriflunomid-Exposition beobachtet und es gab bis dato keine teratogenen Signale. Es traten in diesen Studien außerdem keine strukturellen oder funktionellen Defizite bei den Neugeborenen auf.

Selektive und reversible Wirkung:
Bei Teriflunomid handelt es sich um einen Immunmodulator mit entzündungshemmenden Eigenschaften, der selektiv und reversibel das mitochondriale Enzym DHODH (Dihydroorotat-Dehydrogenase) hemmt und damit die de novo-Synthese von Pyrimidin blockiert. Die Lymphozytenzahl bleibt dabei im Durchschnitt über dem erforderlichen Maß (LLN) und die Grundfunktion der Immunabwehr wird aufrechterhalten. Die Infektrate ist unter Teriflunomid nicht erhöht.

Der Wirkstoff hat laut Prof. Dr. Luisa Klotz aus Münster in 2 Phase-III-Zulassungsstudien seine klinische Wirksamkeit unter Beweis gestellt. In beiden Studien resultierte nach Klotz eine konsistente signifikante Reduktion der Schubrate wie auch der Behinderungsprogression. In einer Post-Hoc-Analyse der gepoolten Daten der beiden Studien wurde darüber hinaus eine signifikante Reduktion der Schübe mit Residuen um 53% gegenüber Placebo dokumentiert. Auch bei Patienten, die von einer anderen MS-Therapie auf Teriflunomid umgestellt wurden, wurde eine Reduktion der Schubrate, der Behinderungsprogression und des Hirnvolumenverlustes belegt.

Aus der Extension der Phase-III-Studie liegen inzwischen Langzeiterfahrungen zu Teriflunomid über bis zu zehn Jahren vor und dokumentieren eine anhaltend niedrige Rate an Schüben und auch einen relativ stabilen Behinderungsgrad gemessen am EDSS.

Hohe Therapiezufriedenheit:
Die konsistente klinische Wirksamkeit von Teriflunomid bei zugleich einfachem Behandlungsmodus spiegelt sich in einer hohen Therapiezufriedenheit der Patienten wider, betonte PD Dr. Karl Baum aus Hennigsdorf in Berlin. Das demonstrieren die Ergebnisse der Studie TERI-PRO, einer multizentrischen, prospektiven Phase IV-Studie, deren Ergebnisse er präsentierte.

In der Studie wurde die Therapiezufriedenheit anhand des TSQM (Treatment Satisfaction Questionnaire for Medication) in Woche 4 und Woche 48 erhoben. „Es resultierte unter Teriflunomid eine insgesamt hohe Zufriedenheit in allen vier TSQM-Bereichen“, betonte der Neurologe. Bemerkenswert war aus seiner Sicht ferner, dass Wechsler von Injektionstherapien (Glatirameracetat/Interferone) und Dimethylfumarat ebenfalls in allen Domänen des TSQM von Woche 0 zu Woche 48 eine signifikante Verbesserung der allgemeinen Zufriedenheit, der Wirksamkeit, der Nebenwirkungen und der Einfachheit der Therapie unter Behandlung mit Teriflunomid angaben.

Die Resultate der Studie TERI-PRO werden durch die Ergebnisse der deutschen Beobachtungsstudie TAURUS-MS I bestätigt, in der Patienten circa ein Jahr nach der Umstellung auf Teriflunomid eine signifikant verbesserte Therapiezufriedenheit in allen Domänen des TSQM angaben.

Für Teriflunomid sprechen nach Baum ferner Daten, die günstige Effekte des Wirkstoffs auf die Entwicklung einer Fatigue sowie auf den Erhalt kognitiver Fähigkeiten dokumentieren sowie die Einfachheit der Behandlung. So muss der Wirkstoff nur 1x täglich als Tablette eingenommen werden. Das kann unabhängig von der Tageszeit und den Mahlzeiten geschehen, wobei die lange Halbwertszeit nach Baum auch Einnahmeunregelmäßigkeiten „verzeiht“.

Konsistentes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil:
Teriflunomid zeigt ein konsistentes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil: Als häufigste Nebenwirkungen werden eine Erhöhung des ALT-Werts, Kopfschmerzen, Diarrhoe, Übelkeit und eine meist reversibel verminderte Haardichte berichtet.

Quelle: JournalMED


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