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19. Dezember 2018
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- 4.12.18

Big Data-Studie zu Multipler Sklerose auf dem Münchner „Digital Health Summit“

In Verbindung mit Daten anderer Patienten kann unsere persönliche digitale Krankengeschichte dabei helfen, den Verlauf und Therapieerfolg einer Krankheit zuverlässiger vorherzusagen. Vor allem für Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS), die sehr unterschiedlich verlaufen kann, ist das eine große Chance. Das Konsortium DIFUTURE unter der Leitung der Technischen Universität München (TUM) präsentierte seine Arbeiten auf dem Münchner „Digital Health Summit 2018“.

2015 sind MS-Erkrankungen bayernweit 60 Prozent häufiger aufgetreten als noch neun Jahre zuvor. Das zeigt eine aktuelle Studie, die unter der Leitung von Bernhard Hemmer, Professor für Neurologie an der TUM und Mitglied des DIFUTURE-Konsortiums, durchgeführt wurde. Er und sein Team werteten hierfür Daten von über zehn Millionen Menschen aus, darunter im Jahr 2015 knapp 30.000 MS-Erkrankte.

Patientendaten für die Forschung nutzbar machen:
„Große medizinische Datensätze sind für uns in der Klinik unglaublich wertvoll. Sie verraten uns, ob es Parallelen beim Krankheitsverlauf gibt, ob es einheitliche Vorerkrankungen oder klinische Anzeichen gibt. Nur mit diesem großen Datenpool können wir statistisch verlässliche Aussagen treffen, die wir aus einzelnen Patientenakten unmöglich herauslesen könnten“, erklärt Bernhard Hemmer.

Als Teil des Forschungskonsortiums DIFUTURE erheben Neurologen wie Prof. Bernhard Hemmer an der TUM, Prof. Martin Kerschensteiner an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Prof. Ulf Ziemann an der Universität Tübingen sowie Prof. Markus Naumann und Privatdozent Dr. Antonius Bayas am Klinikum Augsburg große Datenmengen von Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose. Zusammen mit den Informatikern von DIFUTURE arbeiten sie an einer Vereinheitlichung und Zusammenführung dieser Daten, auf denen Biostatistiker und Bioinformatiker Analysen durchführen, bei denen Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) und des maschinellen Lernens eine Rolle spielen. Wichtig ist auch die Integration von Bildgebungsdaten, so dass den Neuroradiologen der Standorte eine wesentliche Aufgabe zukommt.

Die Vorarbeiten, zusammen mit einem weiteren DIFUTURE-Partner aus dem Versicherungsbereich, lieferten bereits erste Ergebnisse: MS-Patientinnen und Patienten haben bereits fünf Jahre vor ihrer eigentlichen Diagnose sehr viel häufiger Erkrankungen wie Angststörungen, depressive Episoden oder unspezifische Seh- und Gefühlsstörungen.

MS ist die erste Erkrankung, für die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von DIFUTURE Verfahren entwickeln und testen, um medizinische Daten sicher und zuverlässig für die Forschung und im klinischen Alltag nutzen zu können. Das ist ein Ziel des DIFUTURE-Forschungsverbunds, der mit mehr als 28 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Für weitere Krankheiten wie Parkinson und Krebs, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollen die neuen Verfahren bald auch eingesetzt werden.

Datenintegration und Datenschutz als Schwerpunkte:
Um medizinische Daten richtig nutzen zu können, ergeben sich neue Ansprüche an die Datenerhebung und -verarbeitung, aber auch an den Datenschutz. Damit Daten vergleichbar und überhaupt für KI-Methoden verwendbar sind, müssen sie sowohl rückwirkend vereinheitlicht als auch zukünftig einheitlich erfasst werden und bestmöglich vor fremdem Zugriff geschützt sein. IT- und Datenschutzexperten stellt das vor große technische Herausforderungen und Patientinnen und Patienten vor die Frage: wer darf auf meine Daten zugreifen?

Ein besonderer Schwerpunkt von DIFUTURE liegt somit beim Datenschutz. Beim „verteilten Rechnen“ verlassen Daten aus der Krankenversorgung das Krankenhaus überhaupt nicht, sie sind nur im Krankenhaus selbst gespeichert. Um sie dennoch zusammen mit Daten aus anderen Kliniken zu nutzen, werden innovative Verfahren eingesetzt, die dem Prinzip „Bringe die Analyse zu den Daten“ (und nicht: die Daten zur Analyse) folgen - dies ist ein Grundkonzept von DIFUTURE. DIFUTURE wird zudem untersuchen, wie man Daten, die nicht für die Forschung, sondern für die Krankenversorgung erhoben worden sind, nicht nur sicher, sondern auch ohne eventuell auftretende Verzerrungen für die Forschung nutzen kann.

„Die Medizin der Zukunft wird mehr denn je sorgfältig erhobene und zusammengeführte Daten benötigen und verwenden – deshalb müssen wir jetzt die Werkzeuge entwickeln, damit diese Daten möglichst vielen Patientinnen und Patienten zu Gute kommen. Gerade angesichts der immer komplexer werdenden Vernetzung muss aber völlig klar sein, dass die Daten den einzelnen Personen gehören und konsequent geschützt werden müssen“, erklärt Klaus Kuhn, Professor für Medizinische Informatik an der TUM und Leiter des Konsortiums.

Quelle: Technische Universität München


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